Der 8. März ist ein schöner Tag. Blumen, Posts, Herzen. Überall Frauen, die gefeiert werden – für das, was sie erreicht haben, wie weit sie gekommen sind, wie stark sie sind.

Ich scrolle dann immer ein bisschen durch meinen Feed und denke: Ja, stimmt alles. Und gleichzeitig fehlt mir etwas.

Was fehlt, ist das Dazwischen.


Was wir nicht erzählen

Der Women's Day liebt Heldinnengeschichten. Die Gründerin, die gegen alle Widerstände ihren Weg gegangen ist. Die Mutter, die nebenbei ein Unternehmen aufgebaut hat. Die Frau, die bewiesen hat, dass es geht.

Aber niemand erzählt von dem Dazwischen. Von der harten Realität, ein Unternehmen von Grund auf aufzubauen – in einer Branche, die so komplex ist wie die Lebensmittelproduktion, mit Zertifizierungen, Zulassungen, Lieferketten und einer Produktion, die jeden Tag läuft, auch wenn man eigentlich keine Zeit hat. Das ist ein Thema für einen anderen Tag – aber es gehört zur Wahrheit dazu.

Niemand erzählt von den Frauen, die man bewundert, die man eine Weile aus der Ferne beobachtet – und irgendwann einfach entschieden hat, lieber selbst zu machen, als zu warten, bis man Teil dieser Welt wird.

Ich komme nicht aus einer Unternehmerfamilie. Bei mir gab es kein Vorbild, das mir gezeigt hat: So geht das. Keine Mentorin, die mich an die Hand genommen hat. Keinen Moment, wo jemand zu mir gesagt hat: "Du kannst das."

Es gab nur eine Überzeugung. Diese Produkte werden gebraucht. Und wenn es sie noch nicht gibt, dann mache ich sie.

Das war's. Kein grünes Licht, keine Erlaubnis. Einfach angefangen.


Zahlen, die erklären, warum dieser Tag mehr als ein Datum ist

Vielleicht fragst du dich, ob das wirklich noch nötig ist – ein Tag, der Frauen feiert. Ich finde: ja. Solange diese Zahlen existieren.

Nur rund 19 Prozent der Startup-Gründenden in Deutschland sind Frauen – und dieser Anteil ist im letzten Jahr erstmals seit Jahren wieder gesunken, nachdem er zuvor kontinuierlich gestiegen war (Female Founders Monitor 2025, Auswertungen von Startup-Verband und Bertelsmann Stiftung).

An allein von Frauen gegründete Startups flossen 2024 in Deutschland rund 43 Millionen Euro Wagniskapital – rein männliche Gründerteams erhielten im selben Zeitraum ein Vielfaches davon, nämlich mehrere Milliarden Euro (EY Startup-Barometer 2025).

Studien zeigen, dass frauengeführte Startups im Schnitt erfolgreicher wirtschaften: Sie erzielen häufig einen höheren Return auf jeden investierten Euro und weisen niedrigere Ausfallquoten auf als rein männlich geführte Teams. Das Kapital fehlt also nicht, weil die Ideen schlechter sind.


Frauen, zu denen ich aufgeschaut habe

Es gibt Frauen, die mich inspirieren. Frauen, die zeigen, dass beides geht – Unternehmerin, Mutter, Persönlichkeit mit Haltung.

Und wenn ich heute mit anderen Gründerinnen spreche – und das tue ich regelmäßig – merke ich, wie viel ein einziges ehrliches Gespräch bewirken kann. Nicht das große Mentoring-Programm. Einfach zwei Frauen, die sich gegenseitig sagen: Ich kenne das, und es ist machbar.


Was ich mir von Frauen wünsche – und was du heute tun kannst

Nicht weniger Feiern. Nicht weniger Heldinnengeschichten.

Aber mehr Ehrlichkeit über den Weg dorthin. Und mehr aktive Unterstützung – nicht nur am 8. März.

Hier ist, was ich aus eigener Erfahrung weiß, dass es einen Unterschied macht:

1. Sprich über den Weg, nicht nur über die Ankunft. Die schönsten Gespräche, die ich je hatte, waren die, in denen jemand ehrlich gesagt hat: Bei mir war das auch nicht einfach. Das hilft mehr als jede Erfolgsgeschichte.

2. Plane, bevor du losrennst. Wenn ich heute mit Gründerinnen am Anfang spreche, sage ich ihnen: Lass dir Zeit. Validiere dein Konzept. Überstürze nichts. Ein langer Atem ist keine Schwäche – er ist die Voraussetzung.

3. Gib Wissen weiter, ohne Gegenrechnung. Netzwerke funktionieren, wenn man gibt, ohne sofort zu rechnen. Ich habe die wertvollsten Kontakte durch Menschen gemacht, die mir einfach geholfen haben – ohne Agenda.

4. Kaufe bei Frauen ein, wenn du die Wahl hast. Bewusste Kaufentscheidungen sind eine der mächtigsten Formen der Unterstützung. Kein Aktivismus nötig – einfach hinschauen, wer hinter dem Produkt steht.

5. Lob laut aus. Frauen loben sich gegenseitig oft still. Eine Weiterempfehlung, ein Kommentar, eine geteilte Story – das ist sichtbare Unterstützung, die echte Wirkung hat.

6. Lass es dir egal sein, ob du Frau oder Mann bist. Das klingt einfacher als es ist. Aber es ist der wichtigste Gedanke: Du hast genauso das Recht, das zu schaffen. Forder dir Unterstützung ein. Glaub an dich.


Der Bogen zurück

Der Women's Day ist ein schöner Anker. Aber er sollte der Anfang der Frage sein, nicht die Antwort.

365 Tage im Jahr Frauen sichtbar machen, unterstützen, kaufen, empfehlen, ermutigen – das ist das Ziel. Nicht ein Tag, an dem wir uns gegenseitig Herzen schicken.

Was tust du heute für eine Frau in deinem Leben – auch für dich selbst?

 

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